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Gleichberechtigung Total: Auch Männer tragen die Burka

17. October 2011

Wie immer haben die Frauen sich zu früh aufgeregt. Die Burka ist kein Instrument zur Einschränkung von Bewegungsfreiheit und Fortschritt der weiblichen Hälfte der Menschheit, sondern ein Mechanismus zum Schutz vor Umwelteinflüssen für die gesamte Menschheit. Na, oder gehen Sie etwa im Winter ohne Schal auf die Straße? Sicher nicht, allerhöchstens bauchfrei. Trotzdem geben Sie nicht etwa dem Winter die Schuld an einer jahreszeitlich bedingten Erkältung: Sie hätten sich ja schützen können.
Es ist mit dem Wetter wie mit dem Winter: es betrifft uns alle. Ja, alle. Männlein wie Weiblein ziehen Pullover über Pullover (Zwiebel-Prinzip!), um sich vor den schädlichen Strahlungen aus der Umwelt zu schützen. Und wenn Männer zum Beispiel einen Strahlenschutzanzug tragen, ja, tragen müssen (!), ist das dann nicht eine ‘Männer-Burka’? Natürlich. Und diese Männer tragen sie mit Stolz, denn sie wissen, sie würden mit ihrem Leben bezahlen, wenn sie es nicht täten. Oder Astronauten! Haben die sich schon mal beschwert wegen der ‘Weltall-Burkas’, die sie im Dienst tragen müssen?
Die Burka dient also lediglich dem Schutz. Sie ist zwar nicht vollkommen, sie schützt zum Beispiel nicht vor Unterdrückung, aber wie sagt Mann so schön? Nobody’s perfect.
Die Burka an sich ist also harmlos. Fatal ist, dass sie fast immer falsch angewendet wird. Wir müssten das All einpacken, damit die Astronauten besser darin spazieren gehen können. Wir müssten die Strahlung mit einer Burka bedecken, damit sie uns nicht mehr schaden kann. Und wir müssten jene Fanatiker mit einer Burka verhüllen, damit die anderen in Ruhe ihr Leben leben können. Die Burka könnte die Ehre einer Frau schützen, aber nur dann, wenn der Mann sie trüge, der diese Ehre bedroht.
Bissige Hunde müssen eben an die Leine, Wuff.

Geschenke fürs heute

15. October 2011

Es war einmal, da gab es Lebensmittel, und es gab Delikatessen. Erstere erwarb man in der Kaufhalle, letztere erstand man im Delikat-Laden. Eine Dose Ananas für die Torte, eine Dose Pfirsiche, eine Flasche Orangensaft – das waren durchaus Dinge, die man verschenkte. Es war die große Zeit der Präsentkörbe.
Doch der Mangel währte nicht ewig. Aus Präsentkörben wurden Fresspakete, aus Genuß-Geschenken wurden Geld-Geschenke.
Weil es aber leichter ist, in Zeiten des Mangels eine begehrte Delikatesse zu ergattern, als in Zeiten des Überflusses aus der Vielfalt das auszusuchen, was den Beschenkten eventuell erfreuen könnte, kamen Geschenkgutscheine in Mode. Der Schenkende braucht nur noch zu wählen, in welchem Laden, und damit praktisch für was, der Gutschein eingelöst werden kann. Früher verschenkte man auf diese Weise Fernseher, Stereo-Anlagen oder Waschmaschinen, Dinge jedenfalls, die der Beschenkte sich sonst wohl nicht hätte kaufen können. Auch Gutscheine für CDs und Bücher sind beliebt.
Heutzutage gibt es eine Möglichkeit mehr: Geschenkgutscheine für Lebensmittel, wie z.B. der Penny-Markt sie anbietet. Ich frage mich: wer nutzt Lebensmittel-Geschenk-Gutscheine? Die ARGE vielleicht? Oder hat Penny sich vom Lebensmittel-Discounter zum Kaufhaus gewandelt?

Ein Drama?

12. October 2011

Ein klassisches Theaterstück besteht aus fünf Akten: Einleitung, Füllsel, Höhepunkt, Füllsel, Auflösung. Und am Ende sieht es stets so aus, als hätte es genau so kommen müssen, so und nicht anders. Eine Theateraufführung dauert einige wenige Stunden; Leben im Zeitraffer, das Leben der anderen.
In welcher Phase des Stückes bin ich eigentlich geboren worden? War es noch in der Einleitung? Eher nicht. Es muss im Füllsel gewesen sein: die Handlungsträger sind bereits vorgestellt, das Geschehen nimmt seinen Lauf, der Höhepunkt kündigt sich an.
Früher glaubte ich, in ein Drama hineingeboren zu sein, dass sich unaufhaltsam dem Niedergang näherte. Im Nachhinein aber erkenne ich: dass, was ich für den Abspann gehalten haben, war in Wirklichkeit der Auftakt. Der Abstieg nämlich, der findet erst jetzt statt, und zwar so gründlich wie in einem Drama von Shakespeare.
Wäre das Leben ein Theaterstück, würde man nach dem Schlussvorhang aufstehen, und mit dem Gedanken das Theater verlassen, wieder etwas gelernt zu haben. Leider ist das Leben kein Schauspiel, und bis jetzt sieht es auch nicht so aus, als ob wir etwas daraus gelernt hätten.
Die Hoffnung ist Ernüchterung gewichen, wo betongraue Arbeiterschliessfächer durch quietschbunte Einfamilienbriefkästen ersetzt werden. Wir reden viel vom Aufschwung, aber man redet ja immer von dem, was man nicht hat. Die Jungen beneiden die Alten, weil die es schon geschafft haben: die Schule, die Ausbildung, das Berufsleben, die Rente. Zum Glück, das Leben ist kein Theaterstück. Es pfeift auf die klassische Einteilung in fünf Akte, es findet alles gleichzeitig statt; Aufstieg und Zerfall. Ob das nun komisch oder tragisch ist, liegt im Auge der Betrachterin.

Alte Argumente – neu verpackt.

10. October 2011

Es gibt Menschen in Deutschland, die wollen die Prostituierten von der Straße holen. Ist das gut? Ist das schlecht? Muß man nachfragen, oder kann man sich gleich eine Meinung bilden?
Es gab schon einmal Menschen in Deutschland, die die Prostituierten von der Straße holen wollten. Und sie taten es, dem damaligen Zeitgeist entsprechend. Der Rest ist Geschichte, und kann heute von Schulklassen besichtigt werden.
Wenn aber heute Menschen fordern, die Prostituierten von der Straße zu holen, indem ihnen Ausstiegshilfen angeboten werden, indem Präventionsarbeit geleistet wird, indem wir die Menschlichkeit bewahren – kann man diese Menschen dann guten Gewissens mit den Nazis vergleichen, weil das Ziel, nämlich die Prostituierten von der Straße zu holen, ja das gleiche ist? Ist es wichtig, nachzufragen, was danach passieren soll?
Ich denke schon, denn nicht alles, was hinkt, ist auch ein Vergleich. Die einen wollen die Prostituierten von der Straße holen, damit sie ihr Leben beginnen können, die anderen haben sie von der Straße geholt und ihr Leben beendet.
Überhaupt, die Bezeichnung ‘Freier’ hält sich so hartnäckig, dass man vermuten könnte, sie trifft zu. Dann wäre die Ehe also die dritte, höchst peinliche Säule unserer Gesellschaft.

2011 von ihrer schönsten Seite

8. October 2011

Die schönste Seite in 2011 war jene, auf der Alice Schwarzer in der Bildzeitung über den Kachelmann-Prozess berichtet hat. Da war garantiert auch immer ein Bild des Strahlemanns dabei. Hach, wie süß!
Die schönste Seite von 2011 könnte aber auch jene gewesen sein, auf der DSK ganz zerknirscht in der letzten Reihe des Saals sitzt. Allein. Zerknirscht. Frau Rückert, übernehmen Sie!
Die schönste Seite von 2011 könnte aber auch, anders als der Titel erwarten läßt, die Nationalfrauschaft von Deutschland sein. Elf Frauen – und nur eine verheiratet. Genau: 20elf von ihrer schönsten Seite. Fußball als Partnervermittlung für Übrig-Gebliebene? Nette Idee, aber warum nur für Frauen? Bei Fußballerspielern jedenfalls ist die sportliche Leistung wichtig, nicht der Familienstand. Frauen sind also die besseren Fußballerinnen (sie kicken auch im Abendkleid und auf Stöckelschuhen wie auf einer Fotoserie in der Brigitte), und die besseren Zuschauerinnen, sowieso. Was bleibt dann noch für die Männer? Ball-er-innen. Alternativ Prima-donnern. Zum Glück wurde die WM 2011 auch von Fachfrauen kommentiert. Die mussten nicht lange überlegen, wie die Spielerin heisst, die im Tor steht. Nicht Torwärtin, sondern Torfrau, oder Torhüterin.
In diesem Sinne: Tooooooor!

Wenn der Vater mit dem Sohne …

5. October 2011

Unter dem Aktenzeichen 1 BvR 1620/04 wurde im Namen des Volkes festgestellt, dass ein erzwungener Umgang normalerweise nicht dem Wohl des Kindes dient. Geklagt hatte die Mutter des Kindes. Geklagt hatte die Mutter des Kindes, und zwar darauf, dass der Kindsvater mit seinem heranwachsenden Sprössling regelmäßigen Umgang pflegt. Angeklagt war der Vater. Angeklagt war der Vater, weil er zwar Unterhalt zahlte, sonst aber nichts von seinem Nachkommen wissen wollte. Angeklagt von den Müttern ihrer Kinder fühlen sich viele Väter. Meisten aber klagen sie auch selbst, und zwar darüber, dass die Kindsmütter ihnen den Umgang mit ihren Kindern verweigern, erschweren, oder anders verunmöglichen.
Welche Gründe brachte nun der Vater vor, der den Umgang mit seinem Sohn ablehnte? Einmal, dass er gar nicht Vater hatte werden wollen, nicht mit dieser Frau jedenfalls. Also ein klassischer Fall von P-Betrug? Sorry, aber solange es noch keine sicheren Verhütungsmittel für Männer gibt, bleibt wohl nur Enthaltsamkeit, um sich vor unerwünschter Vaterschaft zu schützen. Zum anderen fürchtet der umgangsunfreudige Kindsvater um seine aktuell bestehende Lebenspartnerschaft. Kann man verstehen. Wennn die Ex und die Aktuelle sich mal austauschen, kommt vielleicht letztere auf die Idee, es ersterer gleich zu tun. Dann hätte der arme Mann keine Frau mehr, aber drei Kinder zu denen er Umgang pflegen muss, ohne von der jeweiligen Kindsmutter eine Gegenleistung (kochen, putzen, waschen) zu erhalten. Kann mann sicher verstehen. Frau ist voller Verständnis, genau wie die Richter.

“Auf die Beschwerde eines Vaters hob das deutsche
Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die gerichtliche Androhung eines
Zwangsgeldes bis zu 25.000 Euro zunächst auf; denn ein erzwungener Umgang
diene normalerweise nicht dem Wohl des Kindes, befanden die
Verfassungshüter.” (www.diestandard.de, 07.04.2008)

Sehen sie, oder sehen sie nicht?

1. October 2011

Da haben wir nun schon Kinos, und da laufen nun schon solche Filme wie Matrix, und da gehen wir nun schon wieder und wieder hin und schauen uns an, was man beim besten Willen nur als Parabel auf unser eigenes Leben verstehen kann. Aber verstehen wir es? Sehen wir es?
Verstrickt ins eigene Leben wie in ein Spinnennetz, zappeln wir ums Überleben, und begreifen doch nicht. Die Frauen nicht, und die Männer auch nicht. Die Frauen sind wenigstens schon auf dem Weg, machen Zeitschriften wie Emma, nun ja, aber auch Zeitschriften wie Brigitte und Frau im Spiegel. Und was machen die Männer? Sie begeistern sich für Filme, die deutlich wie kaum etwas anderes ihnen ihre eigene Situation vor Augen führen, und zwar so geschickt, dass sie sich selbst darin zwar erkennen, aber es nicht durchschauen. Fühlten die Männer sich früher allen Ernstes von den Frauen ausgebeutet, so ist die moderne Variante die Abhängigkeit von den Maschinen. So wie die Patriarchen vormals in ihren Alpträumen das Erwachen und die fürchterliche Rache der Frauen befürchteten, so ängstigt sich der moderne Mann vor der Machtübernahme durch die bösen, bösen Maschinen, für die er dann nichts weiter ist als eine Energiequelle, wenn überhaupt. Die Angst der modernen Männlichkeit, im Grunde überflüssig zu sein, nur als Goldesel oder Samenspender zu gebrauchen? Nun, die Männer selbst haben sich auch darauf zurückgezogen, nur fürs Geldverdienen und fürs Nachwuchs zeugen zuständig zu sein. Ihre eigene Beschränktheit fällt ihnen auf die Füße.
Was wäre also ein Ausweg? Die selbsternannte Männlichkeit müsste ihre selbstgebaute Matrix verlassen. Und wie schwierig das ist, sehen wir uns im Kino an. Wieder und wieder. Aber verstanden haben sie es nicht.

Lehrer-Hasser-Bücher

22. September 2011

Manche sagen, die Idee des Hassbuches ist nicht neu. Damals, im Deutschunterricht der Oberstufe, gab es jedes Jahr ein neues Buch, das harmlos als Lektüre begann und übers Jahr zu einem Hassbuch mutierte, für die Schüler. Manche haben sich bis heute nicht davon erholt, und verweigern
auch als Erwachsene hartnäckig alles, dass irgendwie nach Lektüre aussieht oder daran erinnert. Ob in den Schulen nicht statt Goethe und Schiller lieber die Fernsehprogramme interpretiert, analysiert und rezitiert werden sollten? Wenn damit die gleichen Erfolge erzielt werden könnten: lebenslange Fernsehabstinenz – dann wäre ich dafür. Doch wer ist für die Misere des Bildungssystem verantwortlich? Die Kultusminister, die es immer noch nicht geschafft haben, die
Klassengesellschaft aus dem Schulsystem zu entfernen? Ach nein, lieber doch nicht. Denn wie sollte etwas in der Schule verpönt sein, was ausserhalb Gang und Gäbe ist? Wo kämen wir denn hin, wenn man nicht mehr über das teurere Auto, die teureren Turnschuhe, oder die teurere Urlaubsreise den Nachbarn zeigen könnte, dass man was besseres ist?
Dann werden wohl die Lehrer verantwortlich sein, die es immer noch nicht geschafft haben, dreißig Schüler gleichzeitig in einem Klassenraum zu unterrichten und trotzdem auf die Stärken und Schwächen eines jeden individuell einzugehen. Früher, in der Dorfschule, da ging das doch auch. Vielleicht haben aber auch die Schüler schuld, die es nicht schaffen, trotz deprimierender Aussichten mit einem Dauerlächeln zur Schule zu stiefeln. Und wer hat nun wirklich schuld daran?
Na klar, die Mütter. Und wenn diese dann Lehrerhasserbücher verfassen, haben sie für kurze Zeit das Gefühl, etwas verändert zu haben. Doch der Medienrummel geht vorbei, die Lehrer bleiben die alten, und die Schüler auch.

Was tun gegen Lehrermangel?

21. September 2011

Immer, wenn Politiker das Gefühl haben etwas tun zu müssen, beginnen sie damit, von ‘Kampf’ zu sprechen. Da wird die Arbeitslosigkeit bekämpft, mit der gleichen Vehemenz wie früher das benachbarte Fürstentum. Es geht um Landgewinn, der früher in Hektar. Und heute in wählerstimmen gemessen wird. Da Arbeitslosigkeit etwas abstraktes ist, das niemand anfassen kann, richtet sich der Kampf dagegen auch in aller Regel gegen die davon Betroffenen. So,
wie der Arzt ja auch den Patienten behandelt, anstelle der Krankheit, da diese nur über die Person des Patienten greifbar ist. Mit anderen Worten: ohne Patienten keine Krankheit, ohne Arbeitslose keine Arbeitslosigkeit, und ohne Schüler kein Lehrermangel. In den letzten 20 Jahren ist in diesem Bereich auch viel passiert. Die Eltern haben die Zeichen der Zeit erkannt, und verkneifen sich immer öfter, was sie früher aus Liebe, aus Pflichtbewusstsein oder aus Unwissenheit begonnen haben: Eltern bleiben immer öfter freiwillig kinderlos. Schon schreien die Demographen: die Deutschen sterben aus! Sie irren sich. Ausgestorben sind die Dinosaurier. Die deutschen Eltern bekämpfen lediglich den Lehrermangel.

Schickt sie zurück!

21. December 2010

“Schickt sie zurück, dahin zurück, wo sie hergekommen sind!” Welch simple Lösung für ein komplexes Problem. Nur: wohin soll wir sie zurückschicken? Zurück in den Bauch ihrer Mutter? Wer hier ist, ist hier, und die meisten von uns sind schlicht und ergreifend deshalb hier, weil unsere Mütter uns hier geboren haben. Da können wir dreimal lamentieren und auf das deutsche ‘Recht des Blutes’ verweisen – nur wer mindestens einen deutschen Elternteil hat ist selbst auch deutsch. Es ist wie es ist, wer hier geboren ist, ist hier geboren, und kann nirgendwohin zurückkehren, denn sie/er ist ja schon da. Es wäre leicht, zu leicht, wenn immer die Schuld hätten, die als letztes gekommen sind. Die als letztes gekommen sind, das sind unsere eigenen Kinder – wollen wir die auch zurückschicken? Und wenn ja, wohin?

Wohin sollen wir unsere einheimischen Frauenfeinde, unsere einheimischen Ehrenmörder, unsere einheimischen Fundamentalisten schicken? Früher lautete die Lösung: zum Mond schießen ohne Rückfahrkarte. Und heute?